Augenmuskeltraining nach Geiser

Bei Schielen, Doppelbildern und anderen Augenbewegungsstörungen

Die augenärztliche Untersuchung ist unabdingbar, ggf. zusätzlich eine neurologische Untersuchung. Die Aufgabe der Orthoptistin umfasst die Prüfung der Augenbewegungen, die binokularen Funktionen und die Einleitung in therapeutische Maßnahmen.

  • Sehschärfe fern und nah
  • Covertest
  • Motilitätsprüfung in 9 Blickrichtungen
  • Sakkadenprüfung
  • Prüfung der Folgebewegungen
  • Schielwinkelmessung in 9 Blickrichtungen
  • Prüfung des VOR
  • Prüfung des AC/A- Quotient
  • Korrespondenzprüfung
  • Fusion, Stereosehen
  • Prüfung des Blickfeldes mit dem Isoversiometer
  • Prüfung der Kopfneigung

Die normale Augenbewegung

Unsere 12 Augenmuskeln arbeiten paarweise zusammen. Die normalen Augenbewegungen sind seitengleich. Es besteht ein Augenmuskelgleichgewicht.

Wird ein Muskel angespannt (Agonist), wird sein Gegenspieler (Antagonist) gedehnt. Anspannung und Dehnung sind die Grundlagen der Muskelfunktion und der Muskelkräftigung, wie wir dies aus der Physiotherapie kennen. Dieses Prinzip der Muskelfunktion kann auch bei den Augenmuskeln angewandt werden.

Das Innervationsschema zeigt die nervöse Versorgung der 12 Augenmuskeln an

Gesetz nach Hering: Gesetz der gleichmäßigen Innervation, spezifisch für das Auge als Doppelorgan

  • Muskeln gleiche Zugrichtung erhalten das gleiche Maß an Innervation.
  • Rechtes Auge: Der rechte äußere Augenmuskel (M. rectus lateralis)(Agonist) wird angespannt.
  • Linkes Auge: Der linke innere Augenmuskel (M. rectus medialis) (Agonist) wird angespannt.

Gesetz nach Sherrington:  Gesetz der Muskelfunktion

  • Jede Anspannung eines Muskels (Agonisten) geht parallel mit einer Entspannung (Dehnung) des Antagonisten
  • Rechtes Auge: Der rechte äußere Augenmuskel (M. rectus lateralis) (Agonist) wird angespannt und der rechte innere Augenmuskel (M. rectus medialis) (Antagonist) wird gedehnt.
  • Linkes Auge: Der linke innere Augenmuskel (M. rectus medialis) (Agonist) wird angespannt und der linke äußere Augenmuskel (M. rectus lateralis) (Antagonist) wird gedehnt.

Augenbewegungsstörungen

Es gibt eine Vielfalt von Augenbewegungsstörungen unterschiedlicher Ursachen.

Ist die Funktion eines Augenmuskels zu schwach oder wird eine Überfunktion eines Augenmuskels festgestellt z.B. beim Einwärtsschielen, dann ist das Gleichgewicht der Augenmuskulatur gestört. Die meisten Störungen gehen vom Hirnstamm und Kleinhirn aus.

  • Schielen
  • Doppelbilder
  • Kopffehlhaltungen
  • Blickfeldeinschränkungen
  • Anstrengungsbeschwerden beim Lesen

Augenmuskeltraining nach Geiser

Basierend auf den Erkenntnissen zur Muskelfunktion wurde von mir das Augenmuskeltraining 1991 gemeinsam mit meiner Tochter, einer Physiotherapeutin, entwickelt. Das Augenmuskeltraining erfolgt analog der Physiotherapie.

Ziel des Trainings des Trainings ist die Wiederherstellung des Binokularsehens. Dies umfasst:

  • das Augenmuskelgleichgewicht wiederherzustellen
  • Augenzittern (Nystagmus) zu reduzieren
  • Schielwinkel zu beheben
  • das Blickfeld zu vergrößern
  • räumliches Sehen zu ermöglichen und zu verbessern
  • Sehschärfe verbessern

Die Übungen sind leicht zu erlernen und zu Hause durchführbar. Der Erfolg hängt vom Beginn der Störung und von der Ausdauer und Regelmäßigkeit bei der Ausführung der einfachen täglichen Übungen ab.

Augenmusekltraining – Augengetrenntes Üben

Basierend auf der Diagnose werden die Übungen individuell an die Patienten angepasst.

  • Die Übungen können überall im Sitzen oder Stehen durchgeführt werden.
  • Achten Sie auf eine aufrechte, gerade Körper- und Kopfhaltung.
  • Ausgangspunkt für alle Übungen ist der Geradeausblick.

Entscheidend ist augengetrenntes (monokulares) Üben, um die Motorik der jeweiligen schwächeren Augenmuskeln zu verbessern.

  • Benutzen Sie zu diesem Zweck eine handelsübliche Augenklappe, um wechselseitig zu üben.
  • Bedecken Sie das Auge nicht mit ihrer Hand.

Achten Sie bei jeder Übung darauf, den Kopf nicht mitzubewegen.

  • Jede Kopfbewegung entlastet die Augenmuskeln.
  • Schwache Augenmuskeln können dadurch nicht gekräftigt werden.

Halten Sie mit ihrer Hand ein kleines Objekt (Bleistift oder Kugelschreiber) in einem Abstand von ca. 30 cm in Augenhöhe vor Ihre Nasenspitze. Fixieren Sie genau die Spitze des Objektes.

Das Training teilt sich in 5 Phasen unterschiedlichen Schwierigkeitsgrades auf. Phasen 1 bis 4 werden einäugig durchgeführt.

Phase 5 kann nur bei normalem beidäugigen Sehen erfolgen.   

  1. Phase – horizontale Augenbewegungen
  2. Phase – vertikale Augenbewegungen
  3. Phase – diagonale Bewegungen
  4. Phase – rotatorische Bewegungen
  5. Phase – Konvergenzübung

Beginnen Sie immer mit den Übungen der Phase 1 und fügen Sie jede Woche eine neuen unten beschriebenen Übungen hinzu.

Wenn eine der Übungen Ihnen Schwierigkeiten bereitet, pausieren Sie mit dieser Übung. Die anderen Übungen setzen Sie fort.
Die Übungen in vertikaler und in diagonaler Richtung sind besonders anspruchsvoll.

Versuchen Sie, ein Gefühl dafür zu entwickeln, ob Sie zur nächsten Übung übergehen können oder ob das noch zu schwierig für Sie ist.

Das bewusste Anspannen und Entspannen der Augenmuskulatur werden Sie mit der Zeit lernen. 

Übungsprogramm 1. Woche, Phase 1:  Einmal täglich

Horizontal

Bewegen Sie das Objekt sehr langsam horizontal von der Mitte aus zuerst nach rechts, dann nach links. Folgen Sie dem Objekt mit dem Auge, bis es aus Ihrem Blickfeld verschwindet.

Wechseln Sie nach jeder Übungsphase die Augenklappe. Führen Sie dieselben Übungen mit dem Gegenauge durch.

Bei aufmerksamem Üben wird eine Anstrengung der Augenmuskeln wahrgenommen, vor allem in der Anfangsphase.

Übungsprogramm 2. Woche, Phase 1 und Phase 2: Einmal täglich

Horizontal und vertikal

Bewegen Sie das Objekt SEHR LANGSAM vertikal zuerst nach oben, dann nach unten. Folgen Sie dem Objekt mit dem Auge, bis es aus Ihrem Blickfeld verschwindet.

Übungsprogramm 3. Woche, Phase 1, Phase 2 und Phase 3: Ein bis zweimal täglich.

Horizontal, vertikal und diagonal rechts

Bewegen Sie das Objekt sehr langsam diagonal zuerst nach rechts oben, dann nach links unten. Folgen Sie dem Objekt mit dem Auge, bis es aus Ihrem Blickfeld verschwindet.                            

Wechseln Sie nach jeder Übungsphase die Augenklappe. Führen Sie dieselben Übungen mit dem Gegenauge durch.

Horizontal, vertikal und diagonal links

Bewegen Sie das Objekt sehr langsam  diagonal zuerst nach links oben, dann nach rechts unten. Folgen Sie dem Objekt mit dem Auge, bis es aus Ihrem Blickfeld verschwindet.

Übungsprogramm 4. Woche, Phase 1, 2, 3 und Phase 4

Horizontal, vertikal, diagonal und Rotation

Bewegen Sie das Objekt, beginnend im Uhrzeigersinn, in Form eines großen Kreises und folgen Sie dem Objekt mit dem Auge. Danach die Übung in entgegengesetzte Richtung durchführen.

Wechseln Sie nach jeder Übungsphase die Augenklappe. Führen Sie dieselben Übungen mit dem Gegenauge durch. Am Ende kann eine Übungszeit von ca. 10-15 Minuten täglich erreicht werden.

Beachte

Nebenwirkung: zu viel Training in der Anfangsphase kann Kopfschmerzen (Augenmuskelkater) verursachen. Von Zeit zu Zeit sollte der Fortschritt des Binokularsehens in verschiedenen Distanzen orthoptisch überprüft werden, vor allem in der Nähe.

  • Schielwinkel
  • Blickfeld
  • Fusion
  • Räumliches Sehen
  • Konvergenz

Phase 5. Zusatzübung Konvergenztraining: Täglich

Die Konvergenzübungen sind erst möglich, wenn beidäugiges Sehen im Nahbereich getestet wurde.

Führen Sie das Objekt sehr langsam, auf Ihre Nasenspitze zu, bis das Objekt doppelt gesehen wird. Dies ist Ihr momentaner persönlicher Nahpunkt der Konvergenz. Normwerte für den Nahpunkt der Konvergenz liegen bei 5 – 7 cm. Durch tägliches Training können auch Sie die Normwerte langsam erreichen.

Durch das Wechselspiel von Anspannung und Dehnung werden schwache Augenmuskeln gekräftigt. Das Augenmuskelgleichgewicht normalisiert sich. 

Das Augenmuskeltraining ist auch ein gezieltes und effektives Training für gelähmte Augenmuskeln.
(Eigene Studien können angefordert werden.)

Training Übungsphase

Wenn Sie die Übungen der Aufbauphase zwei bis drei Wochen lang täglich durchgeführt haben, können Sie das Training mit den Übungen langsam steigern.

Beginnen Sie jedoch immer mit den Übungen der Aufbauphase und fügen Sie jede Woche eine neue der unten beschriebenen Übungen hinzu.

Wenn eine der Übungen Ihnen Schwierigkeiten bereitet, pausieren Sie mit dieser Übung. Die anderen Übungen setzen Sie fort.
Die Übungen in vertikaler und in diagonaler Richtung sind besonders anspruchsvoll.

Versuchen Sie, ein Gefühl dafür zu entwickeln, ob Sie zur nächsten Übung übergehen können oder ob das noch zu schwierig für Sie ist.

Das bewusste Anspannen und Entspannen der Augenmuskulatur werden Sie mit der Zeit lernen. 

 Der Erfolg des Trainings hängt ab vom Zeitpunkt des Beginns der aufgetretenen Störung von der konsequenten, regelmäßigen und präzisen Durchführung der Übungen. Unsere Erfahrungen zeigen, dass Doppelbilder und Schielen aufgrund von Augenmuskellähmungen sich durch dieses Training ebenso beheben lassen wie frühkindliches Schielen, wenn mit dem Training frühzeitig begonnen wird.

Augenbewegungsstörungen und Blickfeldeinschränkungen werden dem Patienten durch spezielle Untersuchungen mit dem Isoversiometer bewusst gemacht. 

Die Therapie ist nicht altersbegrenzt. Nach unserer Erfahrung sind Erfolge auch im hohen Alter sehr wohl möglich. Die Therapieerfolge hängen von der Konsequenz, der Ausdauer und der Mitarbeit des Patienten ab.

Dauer der Trainingsmaßnahmen

Die Therapie ist unter Umständen eine Langzeittherapie. Die Dauer der Behandlung ist abhängig vom Zeitpunkt des Beginns der Augenmuskelstörung. Je früher mit der Behandlung begonnen wird, desto schneller stellt sich ein Erfolg ein.

Oft stellt sich eine deutliche Besserung zwar schon nach wenigen Wochen ein, aber bis zur dauerhaften Normalisierung der Augenbewegungen und des beidäugigen Sehens können Monate, auch Jahre vergehen. Die oft jahrelang praktizierten, unbewussten Sehgewohnheiten müssen nachhaltig verändert werden.

Lassen Sie das Training zu einem Teil Ihres Alltags und zur Selbstverständlichkeit werden wie das tägliche Zähneputzen!